Donnerstag, 21. September 2006

surprise

Gestern kam eine Erinnerung, ein Wort wieder in meinen Kopf.
Das sind
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Eiszapfen.
Ich weiß dass wir die früher oft hatten. Oder vielleicht denke ich es auch nur. Wie ich die so im Lxxxx liegen sah, ihre Bezeichnung las, musste ich sie gleich kaufen, ohne eine Idee zu haben, was ich damit anstellen soll.
Aber sie rufen Zeiten, Orte und Umstände wieder in Erinnerung, ganz dunkel nur, für Sekunden haben sie mich nach Grabow gebracht, einmal von unten nach oben durchs Haus und zurück. In die drei Schuppen, in den Garten mit den 1000 Winkeln. Es war fast so, als hätte die Zeit beim Vergehen einen winzigen Schnipsel vergessen, und hier, in der unaufgeräumten Welt, hab ich ihn nun gefunden. Kann froh sein, dass es ihn nicht nach Japan verweht hat.

Donnerstag, 7. September 2006

September Song

Ich hatte mal ein Buch, das trug diesen Titel, deswegen las ich es. Nach ein paar Monaten wusste ich das nicht mehr und fing wieder an, es zu lesen. Es war immer noch genauso schlecht. Aber den Titel mag ich.
Kein Vergleich zu den großartigen Büchern Jostein Gaarders. Gestern auf der Lesung aus "Schachmatt" hat er in niedlichem Deutsch erzählt, gefragt und auch gelesen.
Zuvor gabs aber erstmal ein Hauptpublikum aus schnatternden, hektischen Kindern, die unter 'in einer Reihe anstehen' so gar nicht das verstehen, was wir Erwachsene, und wenn dann plötzlich alles aufgrund technischer Schwierigkeiten auf die Seitenbühne verlegt wird, Panik bekommen, dass sie ja nun nicht mehr in "ganz vorne" sitzen können. Eine altkluge und ihren Vater zutextende 15-Jährige bat denselben mit Nachdruck um die Erlaubnis, sich bei dem Personal, was uns zum Aufrutschen und Platz für Platz füllen bewegte, sich beschweren zu dürfen. Stand auf den Karten doch: Freie Platzwahl.
Gaarders Streifzug durch seine Bücher war interessant, er gibt den Figuren gern verschiedene Stimmen und liest, am Stehpult, so bewegt, dass er ständig seine Brille zurück auf die Nase schieben muss.
Dolmetscherin Astrid hat nicht viel zu tun und schaut daher säuerlich drein, aber auch nur soviel, dass Outfit und Make Up nicht aus der Form geraten.
Gaarder verrät, dass er an "Sofies Welt" nur drei Monate geschrieben hat und am meisten auf "Das Kartengeheimnis" stolz ist. Kann ich nur bekräftigen.
Ich habe nicht alle Bücher zum signieren mitgebracht, nur zwei, ganz bescheiden. Er lässt sich auf einen kleinen norwegischen Plausch ein und kennt Noresund.
Den restlichen Tag können wir nur damit verbringen, im Hugendubel auf Miss Lia zu treffen und neue Schätze zu graben. Neu entdeckt und potzblitz verliebt in: Linn Ullmann und Per Petterson.
Heute von Gaarder der Vortag, auch im Haus der Berliner Festspiele.

Montag, 4. September 2006

Postkarte 4 - leider über Finnland umgeleitet und dann auch noch im Schneesturm steckengeblieben

Min kjaere Fru Dauer,

Kann man das glauben? Ihre Postkarte hat sich tragisch verheddert, in einzelne Buchstaben aufgelöst und landete dann schließlich als Gebrauchsanweisung auf einer Tütensuppe in Finnland wieder! Als ich sie endlich wieder gefunden hatte, mühsam wieder in die richtige Reihenfolge zusammengeflickt hatte, und per Express-Elch zu Ihnen losschickte, hörte ich, nach Tagen, der gute Elchbruder hatte noch einen Abstecher nach Sibirien gemacht um seinen Cousin zu besuchen. Ich dachte, mich tritt ein Elch. Nun habe ich endlich Ihre Karte wieder zurück erhalten und hinterlege sie sicherheitshalber auf meinem Balkon, für Sie zur Abholung bereit. Heute, 17.30 Uhr. Seien Sie pünktlich!
Norway was incredible full of beauty and kindness. I´m still touched and not sure at all, why we came back. I have to live in that country, for real. So let´s enjoy the short time we´ll have together :) One time, when you stay in africa and we in Norway, it will really take a long time for snowy and sunny postcards. Se deg snart. Mange hilsen og ha det bra.

Donnerstag, 24. August 2006

Postkarte 3

Hallo Petite,
swissy missy ist wunderbar an den kühlen Abenden, wenn wir von unseren Touren heimkommen. Erinnert mich ein wenig an die Provence, wo wir auch Berge hatten.
Hast du den Schulanfang gut überstanden? Und bist noch jeden Abend am Strand?
Vorgestern waren wir den ganzen Tag zu Fuss unterwegs - haben uns den Norefjell vorgenommen. Waren in 3 1/2 Stunden oben. Danach keine Kraft mehr für eine Kammwanderung. Der Abstieg war anstrengend, am Schluss hatten wir alle 3 Wanderstöcke. :) Habe mich die ganze Zeit wie die 3 Gefährten gefühlt (also, am meisten wie Sam) - und versucht, die Melodie zu singen. Zeit ist um ;) Gleich geht es weiter. Viele Grüsse von Matt und mir. (_)?

Postkarte 2

Liebe Nachbarin,
Moltebeeren gibt es hier nur in Büchern oder als Matsche zu kaufen. Schade. Mein norsk kommt ganz ganz langsam aus irgendwelchen vergessenen Gehirnwindungen wieder herausgepurzelt. Det er bra. Heute in einem Stoffladen gewesen, der hätte dich wahnsinnig gemacht. Hunderte von kleinen Stoffquadraten - ich habe alles für dich fotografiert. Wir haben das Angelzeug immer im Auto - aber noch nichts gefangen. Dafür alles voller Braunkappen und Steinpilze, sie folgen auf Schritt und Tritt.
Sogar eine Pfifferlingsstelle hat Pa mal entdeckt. Noch sind wir nicht tot, dh. es müssen alles gute Pilze gewesen sein. Drück uns die Daumen. Hjertelig hilsen, ha det hyggelig og bra,
m.

Postkarte 1

Liebe Muckla
Das mit den Postkarten ist nicht so einfach wie ich dachte ... wir haben uns und unsere Hütte in süsser, unschuldiger Abgeschiedenheit wiedergefunden. Kein Laden, keine Strasse mit aneinandergereihten Häusern weit und breit. Unser Hüttchen ist schwarz geölt (die Tastatur hat Z und Y vertauscht, ausserdem kein SZ und keine Umlaute) und auf einem alten Gut. Daneben - auf einem Hügel, vor dem Norefjell das Gutsbesitzerhaus, ein Stall, ein altes Lagerhaus. Idyllisch - aber schwer, dort an Internet ranyukommen ;)
Heute das erste Mal wieder unter (vielen) Menschen, 2 Stunden Richtung Süden, in Tønsberg. (Such es mal bei Google Earth) Ich lauere unentwegt nach Elchen. Noch keinen begegnet. Aber Schafherden, die Glocken am Hals tragen und weggallopieren, wenn wir näher kommen. Du würdest hier alles lieben.
Ich muss mir jedes Haus ansehen und werde nicht satt.
Soviel für heute. Bin froh, hier in Tønsberg ein Internet Café aufgetrieben zu haben. Wir haben in einem Angel- und Bootladen danach gefragt (Matt hat zuvor Plastikköder [Würmer mit Geschmack] gekauft.) :D
Tausend Grüsse, M. (und der M., der ungeduldig neben mir sitzt und Handbewegungen macht ;)

Donnerstag, 17. August 2006

daily hope

Bitte jeden Tag lesen: Titus den nächsten Monat auf einer Südengel-Insel.

Freunde und Kupferstecher,

... es geht los. Seit sieben Jahren reden wir davon, zwei Jahre ging es in die entgegengesetzte Richtung - morgen rollen wir unaufhaltsam auf die Fähre und dann über die Öresundbrücke gen Antwort auf meine Oktobersehnsucht, die jeden Herbst in mir aufbricht und zetert: Norwegen, Norwegen, bring mich nach Norwegen.
Karten schreiben wird teuer sein, deswegen werde ich euch meine Karten auf dieser Plattform schreiben - nehmt es mir nicht übel und schaut in den nächsten 14 Tagen immer mal hier nach, ob jemand Post hat.
Noch ein Lächeln, und dann: Ich ziehe meinen Hut und empfehle mich.

out of office

...

Mittwoch, 9. August 2006

festsitzen

Im Park halten sie den Sonntag fest
Wenn sie sich auf den Rasen setzen und schwermachen
- Wie auf das Ende einer Decke -
Nicht mehr wegziehen
Lässt sich jetzt der Tag.

Donnerstag, 27. Juli 2006

dieb

einer stahl meine tränen/die stahlblauen/und die an der spitze versilberten/sowie/auch ein pfund zucker/und den vorrat an worten für den herbst/die weiße fahne hat er/auf der treppe/wieder verloren.

Mittwoch, 26. Juli 2006

Mal in Mitte

Letzter Leichtwindtag, hundert Gedichte von Eva Strittmatter sind meine Nahrung. Heißer Kaffee kaltes Blut. Auf dem Hackeschen Treffen der Musiken, très drole, die blondierten Jungs in Unterhosen und schwarzen Kittelschürzen, jeder eine Banane in der Bauchtasche. Französisches Funk-Blasorchester aus Lyon. Nehmt mich mit in eurem Gepäck auf eure Reise, next stop: Prag.
Den Rest des Tages nichts für bare Münze, barfuß, die Ballen in den weichen Teer drücken. Endstation: an Bord von Marie, dem Hexenkessel Hoftheater Kahn. Die Sonne im Rücken, sie spielen Der Widerspenstigen Zähmung und die zwei sind doch noch gekommen, müssen am Ufer stehenbleiben. Falls die Sonne vorzeitig unterginge, hielte Mariechen ihre Sonnenblume über uns dass sie den Tag anständig zu Ende brächte.

Donnerstag, 13. Juli 2006

Memo ::: Obst kaufen

Gegen sieben, wenn die Hitze nur noch mit den Fingerspitzen, nicht mehr mit der ganzen Hand, drückt, Obst kaufen gehen. Im Supermarkt hinter der nächsten Straße; es gibt noch halbvolle Stiegen, die knackigsten Kirschen, Trauben, Äpfel sind schon weg, aber die genug gereiften, die gleich gegessen werden müssen, wollte keiner, die sind noch da.
Wenn es doch noch zu warm ist, warten bis nach zehn, dann zu dem kleinen Laden am Ende der Straße laufen, klebrige Melone mitnehmen, Aprikosen, und was sonst noch gut aussieht. Sich die Preise merken, denn der kuriose Händler weiß sie garantiert nicht und braucht sehr lange, bis er sie gefunden hat, was er nicht verwunderlich findet, eher scheint er den ganzen Tag zu grübeln, wie es kommen konnte, dass er in diesem Laden steht, braungebrannt, in kurzer Trainingshose und Unterhemd, hinter der Brille fragende Augen. Mir scheint, und ihm auch, er wurde hier nur mal eben hinein gesteckt, einen alten Freund zu vertreten, eigentlich repariert er die Orgel der Gethsemane. Und irgendwie blieb die Zeit stehen, und er macht hier weiter, Abend für Abend gegen elfe zu, bis dann alles eingeräumt ist und er zuhause, und was gegessen hat, ach du ahnst es nicht...

Montag, 10. Juli 2006

Juli

Alltag gesellt sich zurück zum Sommer, wer jetzt noch in der Stadt ist, wird nicht mehr auf Reisen gehen, wer bis jetzt keine Landerdbeeren gekostet hat, wird bis zum Frühjahr seine Liebe nicht herausposaunen und Rilke lesen.
Café mal eben scheint nicht der einzige Plan sein, der als Schnittmuster auf diesem Jahr liegt, und es ist nicht genug Stoff da. Das Herz blieb halb zurück, halb schlägt es weiter, und mit wieviel Farbe auch versucht, der leere Fleck geht nicht wegzuwischen. Wie ging nochmal vergessen.

Montag, 26. Juni 2006

Calendula

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Freitag, 23. Juni 2006

we shall meet

Die Fliegen treffen sich in Zimmerdeckenlampenmitte, sechs Freunde, verabreden einen neuen Tanzflug, weben nach geheimen Absprachen ein Muster in die Luft. Immer drei gleichzeitig, übereinander, und drei auf dem Lampenbogen. Wie eine kleine Strickmaschine, wie eine Silvesterrakete, die unablässig schwarze Funken sprüht.
Man hätte schönere Flügelviecher nach dem benennen sollen, was sich manche von uns beinigen, erdverhafteten Wesen wünschen. Die Fliegen hätten auch gut Sommerschwärzlinge, Stinkdreher oder ausschließlich Brummer, oder Bratzen gerufen werden können.
Ich werde ein Mädchen kennen lernen, dass in ihrem Lichthaus Kübel aufstellen wird, Frühling um Frühling, und Roggen darin aussäht und Hafer. Wenn sie bei anderen Menschen ist, Besuch nennt man das, wird sie einen Stein mit Loch in der Mitte liegen lassen, Katzengold.
Bald ist der Hollunder in der Reifeprüfung und ich hole mir das versprochene Abendrot. Augustäpfel wachsen noch immer nur jedes zweite Jahr, hat euch das nicht beeindruckt?
release me.

Montag, 19. Juni 2006

die zeit heilt alle wunder!

und heute erst, nach monaten - einmal so lang wie es bei dir war ist es wieder fort - eine einzelträne. und ein paar zerquetschte. wohl weil die hitze dich drückt - sowieso - und deine empfindungen ETWAS überlaufen, überrennen, überspülen, da wo am anfang des jahres ein fass stand - das längst zu klein wurde für das gewicht dieses jahres.
und heute erst scheint wieder ein fass da zu sein, an dem winkel im herzen wo wasser und salz gesammelt werden, nur eine nußschale groß. du kannst nicht weinen seitdem, nicht sprechen. was kannst du. ein wenig weiter segeln, die arme auseinander halten und schweben. solange du an höhe nur langsam verlierst, merkt kein mensch, dass du den nächsten flügelschlag nicht machst. nicht schaffst. die klippen küsst.
geburt verfehlt, weit verfehlt, kleines. hätte man - könnte man schon du sagen. wie lange hast du gelebt. was warst du, engel, monster, sehen wir uns wieder. november, der fünfzehnte, wäre. dein geburtstag. gewesen.
... ich erkenn mich nicht wieder / allein / mein gesicht sei noch gleich und ich weiß nicht ob das reicht nicht alleine zu sein / ich erkenn mich nicht wieder / unerkannt / bin ich die halbe nacht noch um die häuser gerannt / ich erkenn hier nichts wieder / alles müde und alt / ich male uns beide als umriss aus kreide auf den asphalt / ich erkenn mich nicht wieder / unerkannt / hab ich dann drüben im park meine kleider verbrannt / ich erkenn mich nicht wieder nur mein herz das noch schlägt / ich hebe die arme um zu sehn ob die warme nachtluft mich trägt / ich erkenn mich nicht wieder / unerkannt / flieg ich ans ende der stadt / ans ende der welt / und über den rand ... [guitar solo]
frei nach wir sind helden

Donnerstag, 15. Juni 2006

HUSH

Aus meinen Poren
Rinnt
Vorsichtig und
Ganz leis
Das Wort
Das sich ans Nächste grenzt
Einfriedet
Das Etwas
Was in deine Augen
Springen will
Und würde ertrinken
Wer bist Du
Häuptling aus Glas
Stranger und Nacht.

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