Dienstag, 13. Juni 2006

juno

1) 27°

die mücken dieses jahr sind lang und
dürr wie deine hand
verzehren sich nach etwas blut
am abend liegen
den tag im schatten
auf der seite
wie die katze aus dem ersten stock
die sich unter der treppe
unsichtbar macht mit ihren schwarzen
und weißen flecken


2) 10°

wie oft ich in deiner wohnung war
könnte ich leicht zählen
eins zwei drei
kaffee und grün gab es
dir war stets nach dekadent
blumen in allen zimmern
immer ein anderer mann
ich kam nur bis zur küche
nie bis in den salon
wo wir billigen wein getrunken hätten


3) 22,5°

dann am himmel
des himmels werdet ihr
eure zwei buchstaben wiederfinden; einen
herum gedreht auf azurblau gewölkt
zusammengesetzt wie -
ein lager! eine leiter!
dann werdet ihr sein, nicht streiten,
nur sein. werdet lieben, nicht einer des anderen leben
an den marterpfahl stellen
hinter dem hof

Donnerstag, 8. Juni 2006

Fünfzwölftelbilanz

Donnerstage, die mit Migräne und Kältewellen beginnen, bekommen die Ode an die Freude ins Gesicht geklatscht, zweifach, und Tee mit Limette und Akazienhonig. Und Lichtschauer. Fortwährend. Das Haus hat Hummeln im Hintern und kreischt, verliert Holz im Treppenhaus, lässt Wasser durch den Stuck, rieselt Zeug durch die hohlen Wände. Wirft Möbel und Bewohner durcheinander. Der, der da fragt, wie wir auf Tucholsky kommen, hat nicht gemerkt, dass das Zitat an der Tür keine Nachricht von Nachbarn ist. Hummel hat mich mein Vater genannt, da war ich fünf oder jünger. Morgens, mittags, abends, die Leute haben alle ihre Fenster zu, noch nie was von frischer Luft gehört, und ihre Goldwage an den Straßenrand gestellt. Wenn Filou Geburtstag hat gab es sonst immer schon Kirschen, falls die Stare gütig waren und etwas für uns gelassen hatten. Dieses Jahr sind noch nicht einmal die Erdbeeren groß und rot gewachsen. Jemand muss es festhalten, sonst haben wir alle im August vergessen, dass der Mai verregnet war, jeder Tag. Kein gewöhnlicher Regen, sorgfältig mit Pausen versehen. Mit dem Fahrrad konnte man schnell von a) nach b) und in der nächsten Pause wieder zurück. Meine Mutter liebt Kirschen, von der Plantage pflückt sie, eimerweise, schlägt sich den Bauch damit voll. Kirschen gegessen, Wasser getrunken, Bauchschmerzen bekommen, zum Doktor, tot. Ich bin zu faul dafür, soviel Kern im Vergleich zur Frucht. Das dauert wirklich zu lange.
Beim ersten Kaffee Hufenklapp auf den Kopfsteinen in unserer Straße. Ein Brautpaar in offener Kutsche, morgens um zehn. Die Rappen mit weißen Bommeln geschmückt, dass wir sie von oben betrachten würden, die fünf, damit hatten sie nicht gerechnet. Geschäftig wirken sie, das auch noch abhaken, die Frisur sitzt nicht ganz so wie sie soll, nach wievielen Monaten ist der erste Seitensprung drin, die Pferde rucken mit dem Kopf, da war doch eine Wiese, gab es da etwa Löwenzahn. Der Kutscher ärgert sich über den lächerlichen Zylinder, musste das sein, und ist mit den Gedanken bei seiner Tochter, die hat Kinderlähmung und wollte doch Radrennfahrerin werden.

Monday's Child is fair of face.
Tuesday's child is full of grace.
Wednesday's child is full of woe.
Thursday's child has far to go.
Friday's child is loving and giving.
Saturday's child works hard for a living,
But the child who is born on the Sabbath Day
Is bonny and blithe and good and gay. Stattkatze hat es gut. Hat eine Kleinstadt.

Dienstag, 6. Juni 2006

...

Taschen nähen ist kind of Geschichten schreiben. Ein Muster erfinden und aufmalen, Stoffe aussuchen, zusammenstellen, ausmessen und zuschneiden. Dann die Stücke bügeln, Boden und Seiten mit Vliesofix verstärken. Maschine aufstellen, Garne einfädeln, Stichform und -länge austesten. Die einzelnen Teile des Innenfutters miteinander vernähen; das Innenleben ist fertig. Nochmal das gleiche Spiel: die äußeren Stücke miteinander vernähen. Innenleben einpassen, Kanten beider Wände umschlagen, Henkel einlegen, feststecken. Prüfen. Innen mit Außen zusammennähen. Alle überflüssigen Fäden abschneiden. Probetragen. Und jemanden haben, der zeigt, wie es geht. Dank ihr kommt dann das heraus:
Mai-2006-082

Montag, 5. Juni 2006

Vorher-Nachher

Mai-2006-091

Mai-2006-002

Dienstag, 9. Mai 2006

eternal may

Die Wäsche wird schon in einem Tag trocken und die Stiefmütterchen sind über sich selbst hinaus gewachsen. Ich denke wieder öfter an die Bärenprankenfrau und wieviel ihr Blond jetzt vom Mai heller gemacht ist und ob ich mir ihre Schneidezähne richtig gemerkt habe.
Wir nutzen die Zeit so selten mit den Vielfreunden, die auch in dieser Stadt leben, dass sie zu Wenigen werden. Zwei Sonnen scheinen von beiden Seiten in die Wohnung, ich trinke Kaffee at nine and at five.
How happy is the blameless Vestal's lot! / The world forgetting, by the world forgot / Eternal sunshine of the spotless mind! / Each pray'r accepted, and each wish resign'd.
Alexander Pope

Freitag, 5. Mai 2006

Frühling

Melancholie Modeste hat ihn voll erwischt.

Mittwoch, 26. April 2006

Laden lange zu

Der alte Schuster war auch da. Links die Krücke, rechts seine Frau. Er sitzt gern in der ersten Reihe - wer denkt: Er ist der Nächste und wer nicht. So weiße Haare wie er möchte ich mal haben. Hat aus dem Gesicht nie ganz den Schabernak fortbringen können. Mit ihm würde ich gern Tee trinken. In England! At four! Aber er snackt platt, ich verstehe nicht viel. Er sieht so schön aus wie er mal war. Seine Frau muss viel Herzklopfen getragen haben. Sie waren glücklich miteinander. Nun geben sie aufeinander Acht.
Ihre Füße stecken im letzten Paar Schuhe das er ihr machte. Das ist Jahre her. Da waren´s noch Mädchenfüße. Jetzt passen die nicht mehr so schlank rein, und die Absätze, o lala. Noch etwas Glanz vom Lack neben dem Matt ist geblieben. Sonntags geht er in die alte Werkstatt und atmet das Leder ein. Der Tochter nähte er Schuhe für die Katzen. Auf seinen Händen lief die ganze Stadt.
Sie könnte so viel erzählen. Alles nichts alles ganz besonders. Was gibst du für eine Geschichte Leben.

Montag, 24. April 2006

listen to:

sarah mclachlan Afterglow

Donnerstag, 20. April 2006

und heute:

auberginen-010

Reis nach kolumbianischer Art an Auberginengemüse mit Rahmkäse. Und da es gestern so wenige Esser waren, wieder mit frischem Bärlauch. Hihi.

Mittwoch, 19. April 2006

/me schmollt

Warum gibts das bei uns nicht?

tea-bags-001

tea-bags-013

daily

Wenn ich doch jemals mit Jack mein Café eröffnen sollte, gäbe es jeden Tag ein anderes Mittagsgericht und an so einem Tag wie heute hätten wir: Gnocci-Gorgonzolapfanne Mit Tomaten, Lachs, Frühlingszwiebeln und frischem Bärlauch. Und einem Espresso aufs Haus.

Sonntag, 16. April 2006

don is singing

life is the song and the show must go on and on make it come true life is the song and the road goes on and on make this song any colour but blue ...

Donnerstag, 13. April 2006

Versprechen

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Im Januar sterben Kraft und langer Atem. Der Glaube an Erfüllung vorsatzschwangerer Listen. Im Februar sterben Getrostsein und Arglosigkeit, auf das Herz passen viele Brandflecken. Im März stirbt Die der Erinnerungen und Kindertage, Mittagessen nach der Schule. Der Garten schon vorher brach gemacht. Im April stirbt, was gewesen wäre. Und was im Mai? Im JuniJuliAugustSeptemberOktoberNovemberDezember? Todchen holt meine Häute auf Raten.

happy-

oh I forgot my first birthday.

Villa am Bernsteinsee

youngsta-treffen-april-2006-009

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youngsta-treffen-april-2006-017

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Das dunkelblaue Zimmer
Regarde ici

Donnerstag, 30. März 2006

Süßerei

EKWOE-018

Wenn man gerade einen neuen Müllbeutel eingewechselt hat, kann man ruhig mal die 1kg-Zuckerdose fallen lassen.

Montag, 27. März 2006

Schnittlauchköpfe

Je weiter es Richtung Mecklenburg geht desto mehr Felder mit Schneeresten. Am Schnellstraßenrand wechselt Rinnsal mit reißendem Fluss. Kleines Grün schimmert verräterisch zwischen den gelbtoten Resten der Ackerweiten, ist nicht mehr zu verstecken. Hügel an Hügel frisch herausgebuddelte Erde übersetzt die Freude der Maulwürfe, die zu tausenden erwacht sind und rufen: Hurra. Jipppiiiiehhh. Frühling ist da.
Die Miniatur dagegen ist auch nicht zu verachten: Balkon, willkommen zurück. Von Nadel-, Laub- und Krimskramsresten befreit, die Kübel mit neuer Erde aufgefüllt, abgeschnitten was vom letzten Jahr war, Stiefmütterchen eingesetzt und die Stühle entstaubt. Jetzt lässt es sich schon in der Sonne sitzen und dem Schnittlauch zuzusehen, der seine Fühler schon 10 Zentimeter weit ausgestreckt hat. Bald gibt es Rührei mit - rrrischtisch!

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