Donnerstag, 13. September 2007

Ach, damals

Das Haus ist früh wach, so wie ich auch, Wecker auf Sieben. Geschirr klappert in einer Küche, Schuhe im Treppenhaus.
Herbstkühler Morgen. Um Neun schon beim Bäcker gewesen, ein Vollkornbrot, ein kleiner Mohnzopf, zwei Berliner, ein Mehrkornbaguette (Körner außen oder innen?) kommen mit uns nach Hause. Filou den Lieblingsbäcker gezeigt, alles noch genau wie vor der Wende. Sehr weit verschollene Erinnerungen werden wach. Die Regale und Ablagen sind noch so, die Plastikkörbchen, die Milchhörnchen, die Waage, der flache Kuchen, die Preise (!). Man bringt seinen Beutel mit und lässt da die Brötchen einfüllen. Jemand bestellt zwei Knüppel - das habe ich schon hundert Jahre nicht mehr gehört und mir wird warm.
Was waren wir klein und sorglos, damals.

Montag, 27. August 2007

Alte Zettelgeschichten sortieren ...

Ein Frosch tat einmal kund, er werde morgen um eine bestimmte Zeit hier von einem bestimmten Ort wegfliegen. Alle kamen, um über sein unausweichliches Scheitern zu lachen.
Exakt zur genannten Zeit kam der Frosch an den genannten Ort, legte seinen Schal ab und flog davon.

JANOSCH

...

VIVE L´AUTOMNE!

Whatever your light

Whatever your light war das Glühen der Platte
zerschmolz der Griff der Espressokanne -

ätzender Qualm, als das Plastik verbrannte
(und anderes mehr). War ein Klang nach Asche,

ätherisch fein, in der Schaumstoffmatraze,
auf der ich lag und horchte. Am Morgen,

als Licht fiel, begann ich zu schlafen,
bis tief im Traum die Sicherung krachte:

Blitzschlag und lautstarkes Adergebrutzel
unterm Putz. (Kein Strom mehr.) Wir krochen

in uns. Warum noch hadern?
Whatever your light war am Überkochen.

Henning Ahrens

Donnerstag, 23. August 2007

no soup for you

Kamera kaputt.
Hier sollten jetzt eigentlich die Fotos von der unglaublichen Post sein, die gestern den bad morning sich in Luft auflösen ließ, penk-penk, und Fotos von den Milchpackungen aus Norwegen und auch noch Bilder von den letzten Nähversuchen. Man muss das ja festhalten, falls es eines Tages (ich hoffe doch sehr) auch mal ordentliche Erzeugnisse herauskommen. Nun ja, Filou bekommt mich wohl doch von der neuen Nikon überzeugt.
In der Küche sind die beiden Stadtbesichtiger und kochen Karotten-Tortelloni-Suppe. Es duftet, es duftet.
Ich will heute noch die Schafe waschen, die haben Dreck von ganzen Jahren aufm Pelz.

Es stimmt, das Phänomen, ich habe es schon immer gewusst: Wenn man lange genug viel Post verschickt, kommt auch viel Post zurück. Heute sogar zwei von Hand adressierte, bunte Briefe im Kasten gehabt, hurra!

PS: Ihr lieben norwegischen Bloggerinnen, die ihr sicher hier kein Deutsch lesen werdet, gibt es noch mehr Bücher von Per Petterson in Norwegen verlegt? Ich brauche dringend Nachschub.

Mittwoch, 22. August 2007

bad morning

Keine Milch im Haus, das kann ja nur ein schlechter Start werden - wieso wurde bloß der Milchmann abgeschafft? Also muss ich wohl raus in den frühen, rauen Morgen, wofür ich eigentlich noch zu müde bin, ganz ohne ein Schlückchen Kaffee. So ein Morgenspaziergang hat ja auch seine guten Seiten, die Luft ist noch nicht ganz so vermasselt wie zu späterer Stunde - und ich könnte mit einem warmen Becher to go durch die Straßen schlendern. Zu dumm nur, wir haben gerade den absoluten Sparmonat eingeläutet, das bedeutet: es wird nichts gekauft, was zum Leben unnötig ist. Müll, Mist und Melkeimer!
Ich glaub, ich geh wieder ins Bett ...

Mittwoch, 15. August 2007

he made a new one

GOD´S DAWN

Dienstag, 14. August 2007

Gebrauchsanweisung zum Herbstnah

Den Sommer über ging es so, aber jetzt werden die Fenster geputzt, damit kein Schimmer Goldlicht verloren geht.
Steh jeden Morgen vor Sieben auf, nur um alle Fenster zu öffnen und die Luft einzuatmen, die seine Ankunft unverfroren verrät. Dann legst du dich noch einmal unter die Decke und hörst dem Kind in dir zu.
Du kaufst weißfleischige Pfirsiche und einen Kürbis, dessen Herz du schlagen hörst, wenn er abends auf dem Küchentisch das aufgefangene Leuchten wieder gibt.
Die zusammengeschrumpften Schachteln entstaubst du, sortierst du, bald werden sie mit Findlingen aufgefüllt sein. In der Abendsonne gehst du langsam durch die Straßen, kaufst Brombeeren. Fegst den Hof ein letztes Mal, bevor er dann alles Laub behalten darf, räumst den Keller frei für das Erntegut, Kartoffeln, Porree, Äpfel, Rüben, Zucchini, Kürbis, Bohnen, etwas Mais. Die Bank bekommt einen wetterfesten Bezug und die Decken holst du über Nacht ins Haus. Lange bevor es dunkel wird, entzündest du Abend für Abend Kerzen in den Fenstern. Von den Blicken der Katzen lässt du dich nicht beirren, sie können dir nicht weis machen, dass sie sich nicht auf ihr Winterfell freuen. Jetzt schreibst du die Briefe, die den Sommer über liegengeblieben sind und beginnst ein Strickstück, das schneller von der Hand gehen wird. Bevor es September wird, bringst du den beiden einen Strauß Marillenzweige ans Grab. Bis April oder Mai hast du keine Eile mehr.

Dienstag, 10. Juli 2007

...

Ich glaube, ich habe gerade Schiller entdeckt.
"Lebe mit deinem Jahrhundert, aber sei nicht sein Geschöpf; leiste deinen Zeitgenossen, aber, was sie bedürfen, nicht, was sie loben."
Hey Socke, dann sind wir also beide zwei Spätentzünder. lol

Danke Erich Fried

Wenn man ans Meer kommt
soll man zu schweigen beginnen
bei den letzten Grashalmen
soll man den Faden verlieren

und den Salzschaum
und das scharfe Zischen des Windes
einatmen
und ausatmen
und wieder einatmen

Wenn man den Sand sägen hört
und das Schlurfen der kleinen Steine
in langen Wellen
soll man aufhören zu sollen
und nicht mehr wollen wollen
nur Meer

Nur Meer

juli-abiball-und-usedom07-032

Dienstag, 26. Juni 2007

Psalm 18

Er neigte den Himmel und fuhr herab, und Dunkel war unter seinen Füßen. / Und er fuhr auf dem Cherub und flog daher, er schwebte auf den Fittichen des Windes.
Er machte Finsternis ringsum zu seinem Zelt, in schwarzen, dicken Wolken war er verborgen. / Aus dem Glanz vor ihm zogen seine Wolken dahin mit Hagel und Blitzen.
Der HERR donnerte im Himmel, und der Höchste ließ seine Stimme erschallen mit Hagel und Blitzen.
Er schoss seine Pfeile und streute sie aus, sandte Blitze in Menge und jagte sie dahin. / Da sah man die Tiefen der Wasser, und des Erdbodens Grund ward aufgedeckt vor deinem Schelten. HERR, vor dem Odem und Schnauben deines Zornes. / Er streckte seine Hand aus von der Höhe und fasste mich und zog mich heraus aus großen Wassern.
Er errettete mich von meinen starken Feinden, von meinen Hassern, die mir zu mächtig waren; / sie überwältigten mich zu der Zeit meines Unglücks; aber der HERR ward meine Zuversicht.

Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus; denn er hatte Lust zu mir.

Mittwoch, 13. Juni 2007

Nix los hier

Die WM fehlt!

Mittwoch, 16. Mai 2007

...

Dennoch Rosen
sommerhoch
Schmetterlinge
Möwenschwingen
überm Fluß

Nein
ich vergesse nicht
die eingebrannten Jahre
ich vergesse nicht
daß Stiefel
den Regenbogen zertraten
daß sie sich rüsteten
uns zu verwandeln in
Feuerrosen Feuerfalter Feuerschwingen

dennoch sommerhoch
der Duft
die Doppelflügel überm Fluß
das Gold auf meiner Haut

und die toten Rosen
nach der Nacht

Rose Ausländer
(1901-1988)

Dienstag, 8. Mai 2007

Vom Kindsein

Als das Kind Kind war,
ging es mit hängenden Armen,
wollte der Bach sei ein Fluß,
der Fluß sei ein Strom,
und diese Pfütze das Meer.

Als das Kind Kind war,
wußte es nicht, daß es Kind war,
alles war ihm beseelt,
und alle Seelen waren eins.

Als das Kind Kind war,
hatte es von nichts eine Meinung,
hatte keine Gewohnheit,
saß oft im Schneidersitz,
lief aus dem Stand,
hatte einen Wirbel im Haar
und machte kein Gesicht beim fotografieren.

Als das Kind Kind war,
war es die Zeit der folgenden Fragen:
Warum bin ich ich und warum nicht du?
Warum bin ich hier und warum nicht dort?
Wann begann die Zeit und wo endet der Raum?
Ist das Leben unter der Sonne nicht bloß ein Traum?
Ist was ich sehe und höre und rieche
nicht bloß der Schein einer Welt vor der Welt?
Gibt es tatsächlich das Böse und Leute,
die wirklich die Bösen sind?
Wie kann es sein, daß ich, der ich bin,
bevor ich wurde, nicht war,
und daß einmal ich, der ich bin,
nicht mehr der ich bin, sein werde?

Als das Kind Kind war,
würgte es am Spinat, an den Erbsen, am Milchreis,
und am gedünsteten Blumenkohl.
und ißt jetzt das alles und nicht nur zur Not.

Als das Kind Kind war,
erwachte es einmal in einem fremden Bett
und jetzt immer wieder,
erschienen ihm viele Menschen schön
und jetzt nur noch im Glücksfall,
stellte es sich klar ein Paradies vor
und kann es jetzt höchstens ahnen,
konnte es sich Nichts nicht denken
und schaudert heute davor.

Als das Kind Kind war,
spielte es mit Begeisterung
und jetzt, so ganz bei der Sache wie damals, nur noch,
wenn diese Sache seine Arbeit ist.

Als das Kind Kind war,
genügten ihm als Nahrung Apfel, Brot,
und so ist es immer noch.

Als das Kind Kind war,
fielen ihm die Beeren wie nur Beeren in die Hand
und jetzt immer noch,
machten ihm die frischen Walnüsse eine rauhe Zunge
und jetzt immer noch,
hatte es auf jedem Berg
die Sehnsucht nach dem immer höheren Berg,
und in jeden Stadt
die Sehnsucht nach der noch größeren Stadt,
und das ist immer noch so,
griff im Wipfel eines Baums nach dem Kirschen in einem Hochgefühl
wie auch heute noch,
eine Scheu vor jedem Fremden
und hat sie immer noch,
wartete es auf den ersten Schnee,
und wartet so immer noch.

Als das Kind Kind war,
warf es einen Stock als Lanze gegen den Baum,
und sie zittert da heute noch.
Peter Handke

Mittwoch, 25. April 2007

loving angels instead

"Erzählst du mir von Charlotte?"
"Was, von wem?"
"Von dem kleinen Mädchen."
" - - Nein."
"Aber dein Gesicht spricht unablässig davon."
"Ich werd dir nie von ihr erzählen."

Montag, 16. April 2007

Menschenflutung

Was macht die Stadt nur im Winter? Ins Kino gehen? Oder zu H&M? Seit Tagen ist sommerliches Wetter und die Stadt spuckt immer noch mehr Menschen aus ihren Poren, schwemmt sie auf ihren Adern entlang, ziellos treiben sie, in bunten Kleidern und mit schwarzen Augen.
Keiner hält es mehr in seinen engen Räumen aus, alle brauchen Platz, viel mehr Platz. Sie lagern in den grünen Flecken, den spärlichen, an Seen und vor Eckhäusercafés. Zu dicht, sie kommen zu dicht, und dabei doch fast nie sich wirklich nah. Reagieren chemisch auf einander und sehen sich nicht in die Augen. Die alte Regel ist in Vergessenheit versunken, ein Mensch braucht allein 80 Quadratmeter, zwei 120 und eine Familie 200 und einen Garten!

Ich will die Stadt nur voll mit halb sovielen Menschen und alle haben ein großes Haus (aus Holz) und der Blick zum Horzizont ist überall frei. Jawohl.

Freitag, 6. April 2007

happy easter

Und auf einmal ist schon Ostern. Keine Karten verschickt, keine Eier ausgepustet und angemalt, auch keine Eier mit Zwiebelschalen gefärbt. Aber Zweige aus dem Wald geholt, Hasel und andere, die ich gar nicht benennen kann. (Bin wohl doch ein Stadtkind geworden.)
Den Osterkranz werde ich heute noch backen und wie wäre es, den Osterspaziergang einmal lesen. Warum gibt es eigentlich keine Ostermusik, ein Weihnachtsoratorium gibt es doch auch. Und welche Schokolade muss man essen, damit die Ostergefühle kommen?
Ich finde ja das Wetter heute morgen, noch kühl und diesig, gerade richtig. Davon wird es drinnen behaglich und gemütlich. Da will man in eine Decke gehüllt lesen und aus dem Fenster sehen, das Kinn in Teedampf recken. Wenn es am Nachmittag, so gegen zwei, immer noch so ist, wird man einen entscheidenden Gedanken haben, eine Idee die Papier zum Brennen bringt.
Filou will dass ich über ihn schreibe. :) Es ist aber noch so früh, gerade mal den ersten Kaffee hab ich intus, er ist schon seit halb sieben wach. Wenn er mir morgens Kaffee kocht, dann kann der Tag nur noch gut werden, zumindest gelassen. Gerade hat er Socken sortiert. "Ich hab keine Lust mehr, jetzt kommen die schwierigen, schwarzen."
Mal sehen wie lange die hier jetzt liegen, ein Sockenmeer, wahrscheinlich stopfe ich wieder alle zurück in den Korb, die sehen schon so aus als würden ihnen die linke oder rechte fehlen.
Filou hat heute Wandertag, er singt vor sich hin und packt seinen Rucksack, eigentlich will er nur Geld und Mobile mitnehmen. Ich sehs schon kommen: "Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr, hab solchen Hunger." Die leckeren Bagels will er nicht, Wasser auch nicht, ... (oh, musste schnell tschüß sagen ...)
Mal sehen, wer eher auf dem Land ankommt, hoffe doch, ich. Habe nichts gepackt und müde bin ich auch noch. Der Wecker hat halb sieben geklingelt, ich dachte es ist halb acht, und hab eine halbe Stunde lang versucht, aufzustehen, bis ichs gemerkt habe und weiterdöste bis halb acht. Dann kam Filou mit dem Kaffee. Das liegt auch nur daran, dass ich bis nach eins gelesen habe, sonst hätte ich es geschafft, ganz sicher.

Ich wünsche allein hyggeligen Ostertage, hoffentlich habt ihr Zeit, für ein paar Tage im JETZT zu leben, sinnliche Stunden, Meeresbrise, überall ein Hauch von der salzigen Luft. Und dass ihr ein paar kleine Schokoladeneier findet, von Fremden versteckt, ganz mit der Absicht, dass sie von anderen Unbekannten gefunden werden.
Ich packe jetzt die Siebensachen zusammen, aus allen Enden der Wohnung, und die Socken, was passiert wenn ich die Socken einfach liegenlasse? Ob sie sich in ein paar Tagen von selbst gefunden haben?
Es ist einen Versuch wert - ich bin mir sicher, Dittsche hätte dafür eine Welterklärung, eine reine Welterklärung!

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