Dienstag, 12. Juli 2005

Die Last der Dinge

Ich räume sie nur von einem Fleck zum anderen. Lagerregale sind es, in Hüllen von Schränken, Tischchen, Kisten, Klavieren. Menschen. Diese Blumentöpfe kann ich doch nicht wegwerfen, es hat sich jemand Arbeit damit gemacht, ich brauche sie nicht, pas du tout, sie häufen sich zusammen mit den anderen Dingen. Dann werfe ich sie das nächste Mal weg, und heute nur die Tulipanknollen, die vergammelten, nicht gesteckten, im letzten Herbst.

summervine

juni-juli 064

Mittwoch, 29. Juni 2005

Sturmwarnung

Ich schneide mir Flügel aus Papier. Sie halten bis zum nächsten Regen. Wären es Flugschwingen aus Briefen von dir, würden sie mich höher, bis über die Stadt tragen. Und glänzen, Glockentöne hervorbringen, wenn alles Nass der Himmel losbräche.

Zwei

Du sahst müde aus, gestern. Keine Halbmonde, aber deine Augen hatten sich ein wenig mit Schutz bezogen, versteckt, vor zuviel Licht. Aber du warst so aufgeregt und bist durch die Wohnung getanzt, die kurzen Wege. Dein Lachen hat dich umgeworfen und an den Boden gedrückt wie ein Kind, dass sich zulange gedreht hat. Flieg Kleidchen, flieg Und ich dachte daran, wie weit der Weg noch ist, bis ich sage, ich kenne dich, bis es ein Kameradenwir gibt, bis wir etwas durchgemacht haben.
One penny for your thoughts.
When you get what you want but not what you need ... I will try to fix you.
Und du, du bist immer noch nicht mehr da. Ich war in den Jahren nicht an deinem Grab, legte keine Pfirsiche hin, kein Bogenhaar. Himmel warst du jung und lebendig. Was magst du gedacht haben, in den Sekunden vor dem großen Knall? Wer hat dir gesagt, dass ich dich nicht vergessen hatte? Haben Engel dir über den Kopf gestrichen, halte aus, und das Blut ein wenig aus dem Gesicht gewischt, bis sie kamen - und du gingst.
Ich kann dich nicht verlassen. Losgessen. Es ist, als wärst du noch da, nur finde ich nicht zurück aus diesem Traum. Vom Tod. Komm zurück.

Montag, 27. Juni 2005

Nicht Grandmère

Die Dachschindeln vom Hinterhof geben mir das Abendrot zurück, das ich mit meinen gerougeten Wangen vor Tagen schon verlieh. Ich denke an die blonden Haare der Großmutter die heute wie alt wird? Es gab dort keinen Schuss Kaffee in die heiße Milch, aber heimliche Kokosmakronen, und Haferschleim, den nur die beiden anderen wollten. Mit Travedin. Mir konnte man damit erst kommen, da war ich schon groß. Heute rieche ich manchmal ähnliche Semmeln und denke an die Doppelbrodeln, die es zum Wochenende gab. Sie haben nie frisch geschmeckt, aber intensiv geduftet und ließen sich handfest auseinander brechen.
Grandmère haben wir nie gesagt oder gedacht. So zart hatten wir es nicht mit ihr, sie war die Oma.
Und als ich gesungen habe Ein kleines Flugzeug will ich noch falten, ich hab schon geübt ... 'Ne schöne Flaschenpost will ich bauen und werf sie ins Meer. Vielleicht, wenn ich schon gar nicht mehr lebe, dann findet sie wer. Auf dem Papier das er dann entfaltet sage ich ihm: "Lass dir die Träume nicht nehmen, god bless your dream! (G. Schöne)
hat sie geweint.
Seit zwei Stunden geht Wind durch die Wohnung und ich sitze länger auf dem Balkon, weil alle Zeitschriften heute mit ihrer Doppelausgabe rauskamen.
Happy Birthday J.!

Montag, 13. Juni 2005

...

An solchem Tag ist die Zuckerdose bis zum Abend leer geworden, die Temperatur nicht begreifbar, es hat auch keiner in den Himmel geschaut. Könnte sagen, welche Wolkenformationen sich zum Horizont trieben. Die Menschen sind Freunde, ihre Gesichter lerne ich auswendig in einem Tag.
Soll ich noch weiter reden?

Donnerstag, 9. Juni 2005

Erfolge und Abfolgen

So muss ein Donnerstag sein. Nicht nach Acht aufstehen, mit Anna im ANNABLUME Jumbomilchcafé schlürfen und alles riecht nach frischem Morgen. Mit dem Fahrrad weiter durch die Stadt fahren, Bücher kaufen, eine Weile warten, dass ich dich treffe. Die Schwangere anlächeln und an Vanillebrownies denken. Dich an der Ecke Karl-Liebknecht/Prenzlauer wieder vergessen.
Zum ersten Mal hatte der Innenhof einen Platz im Fahrradständer für mich frei! Links außen.
Auf meinem Tisch hier steht gleich eine No. 2 und wieder, seit Tagen, drückt die schwere Hummel ihren Kopf gegen die Scheibe. Brummt, fliegt ein paar Mal dagegen und staubt das Fenster ein, dass man bald nicht mehr durchgucken kann. Tzz.

Donnerstag, 2. Juni 2005

Die Rechnung kommt

Sie warten darauf und werden mich daran messen. (Und wenn ich Pech habe, nur daran.)
Ich bin ihnen schuldig, dass es nicht nur gut wird, sondern ihre Arbeit aufwiegt und in den Himmel schleudert, was ihnen Abdrücke in die Schultern und Falten um die Augen zeichnet.

Freitag, 27. Mai 2005

Hierweh

Hier höre ich nicht den Rasenmäher vor dem Haus, wie er sich geduldig durch die Bahnen frisst, hier wie dort verschwende ich Wasser. Hier bist nicht du und ich kann nicht sagen, ob Du
Du oder Du ist.
Hier gehe ich nicht durch ein Haus, tönt die Stille mir nicht milde entgegen. Hier blüht nicht der Raps, sehe ich keinen Flieder, ziehe ich nicht den Nektar aus Blütentrompeten.
Das Fest ist hier nicht im Gange, hier lebt man auch nicht den 2. Teil.
Hier vergesse ich den Tee, und sehe Geister. Die Männer Gefährten in meinem Leben spielen Klavier. Meine Hände und Füße sind nur aus Papier.
Wenn der große Regen kommen wird, weicht er mich ein in die Geschichte. Hier. Aber dort hat er mich zehnfach vergrößert.

Mittwoch, 18. Mai 2005

Zum Einschlafen zu sagen

Ich möchte jemanden einsingen,
bei jemandem sitzen und sein.
Ich möchte dich wiegen und kleinsingen
und begleiten schlafaus und schlafein.
Ich möchte der Einzige sein im Haus,
der wüßte: die Nacht war kalt.
Und möchte horchen herein und hinaus
in dich, in die Welt, in den Wald.
Die Uhren rufen sich schlagend an,
und man sieht der Zeit auf den Grund.
Und unten geht noch ein fremder Mann
und stört einen fremden Hund.
Dahinter Stille. Ich habe groß
die Augen auf dich gelegt;
und sie halten dich sanft und lassen dich los
wenn ein Ding sich im Dunkel bewegt.

Rainer Maria Rilke

Donnerstag, 28. April 2005

Life told me to ---

Guten Morgen. Ähm. Es ist nach 11. Aus dem Bett gepellt, es ist jeden Morgen wie eine erneute Geburt, man kommt nicht so leicht heraus. Jetzt steht fast ein Liter Earl Grey neben mir und beschwichtigt mich. Mit zwei Löffeln Kaffeesahne und braunem Zucker. Die Brötchen sind schon wieder angebrannt, die Wohnung liegt als verlassenes Schlachtfeld da. Ich habe mir elektrisch verklappbare Ohren mitgebracht und weiß jetzt nicht, wo ich die Batterien einlegen muss.
My town is beautiful.Gestern hat es das erste Mal seit Wochen wieder geregnet, entsprechend lange und auch ein bisschen wütend. Das Kissen auf dem Balkon ist durchgeweicht, in den Kerzen, im Aschenbecher steht Wasser. Ich habe die Briefe nicht abgeschickt, aber ein neues Moleskine bekommen, und köstliches Eis hatten sie auch da: White Peach, Crème Brûlee, Aprikose-Mirabelle.
Die Zeit wird knapp, I should kiss you.

Freitag, 22. April 2005

Lieber Tag

Habe ich ein Nachtleben? Dann war ich in der vergangenen Nacht für Stunden in den blauen Gassen unterwegs, von denen ich als Kind immer träumte, Nacht für Nacht. Aus den Türschlitzen lugten Zeitungen und Dunkelheit. Die Stadt war blau, das Laternenlicht und das Kopfsteinpflaster.
Und ich habe mir alle Zähne ausgebissen.

Tagleben gefällt mir besser. Im Innenhof ist die Sonne umzingelt und gibt nach, ein Schatten flattert. Irgendsoein Strauch hat sich umgezogen und stolzt mit rosanem Kleidchen. Ich glaube, es gibt hier keine Kinder. Dafür in fast jeder Wohnung Hundestinkebeine. Der Himmel färbt sich an der Tuschkastenpalette entlang.
Die beiden aus Italien brachten mir Cafe Forte mit, und einen italienischen Espressokocher und sechsmal Moccageschirr. Wer will kommen? Auf dem Balkon haben nur drei Platz, aber wir könnten uns abwechseln.
Kater und Katze sind schon den dritten Tag fort, ich vermisse ihr maunzen, gurren und schnurren. Der Schwarze hat bei jeder Landung geklagt, zu dumm aber auch, dass er immer noch nicht fliegen kann. Sie müssen beide sehr gute Ohren haben, kaum hatten wir uns einmal in den Betten gedreht, schnüffelten und kratzen sie schon an der Tür nach Aufmerksamkeit. Nicht nach Futter, verfressen waren sie wirklich nicht. Neugierig wohl. Mehr als alle klein-frechen Jungen, die ich je getroffen habe. Mond hätte sie gemocht.

Mittwoch, 20. April 2005

Hallo, hörst du mich

Alter Kamerad, bist du noch da? Hälst deine Position, und fragst nicht mehr, wofür? Und in den Nächten, machst du noch deine Lieder, frierst, sendest ins Immerschwarz und keiner geht auf Empfang? Hast du noch ihren Fisch, ihre Bücher, ihren alten Perlenmantel? Hast du ein Telefon, hat dir jemand Kuchen gebacken, kommst du je zur Ruh?
Kamerad, ich gehe auf Empfang, singst du mir dann was?

Dienstag, 19. April 2005

Warten

Finger kalt werden lassen, Finger an einer Tasse zurückwärmen, Finger wieder aus der Starre holen, Finger unter heißes Wasser stecken.
Nicht rausgehen, damit wir uns nicht über den Weg laufen. I am colorblind.

Bevor ich aus dem Fenster springe

shoes

Damit ich nicht den ganzen Tag lese

Noch ein paar Minuten und die Kartoffeln sind gut, die Katzen warten ergeben in dieser komischen Käferstellung, sitzen auf den Beinen und können so schnell nicht aufstehen, und wenn, müssen sie erstmal einen Buckel machen und sich strecken.
Das Wetter ist brav, auf dem Balkon stehen noch die ausgelöffelten Melonenhälften, mit kleinen Stracciatellaeisflecken. Bald müssen die Kräuter jeden Tag gegossen werden. Adé.

Kaffiknopf bei DaWanda

Aktuelle Beiträge

Jössasna
Eine Gießkanne in Hundeform, ehrlich, das ist halt...
Josef Mühlbacher (Gast) - 29. Jul, 09:33
Das Foto erinnert mich...
Das Foto erinnert mich an unsere Tochter. Wir haben...
Gabriela (Gast) - 15. Sep, 13:44
Ach wie niedlich... So...
Ach wie niedlich... So klein war unsere auch einmal....
Hanna (Gast) - 16. Mai, 13:32
Ostsee
Tolles Bild von der kleinen Forscherin. Hach, die schöne...
Petra (Gast) - 25. Okt, 15:17
Linki Link!
Du müsstest den Link bitte flugs überprüfen, sonst...
FantaMensch - 15. Feb, 00:30

Kaffiknopf Bilder

www.flickr.com
Dies ist ein Flickr Modul mit öffentlichen Fotos und Videos von Ivalou. Ihr eigenes Modul können Sie hier erstellen.

.

Status

Online seit 7731 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 29. Jul, 09:33

Advent
Auf Reisen
Café MAL EBEN
Däumlinge
everything update
Give Away
got the blues
Grateful for
helfen
Herbst
Hochzeit
Hochzeit, Backen, Cookies
Im Shop
Jahreswende
Kinder Kinder
Küchenkram
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren