Donnerstag, 24. August 2006

Postkarte 3

Hallo Petite,
swissy missy ist wunderbar an den kühlen Abenden, wenn wir von unseren Touren heimkommen. Erinnert mich ein wenig an die Provence, wo wir auch Berge hatten.
Hast du den Schulanfang gut überstanden? Und bist noch jeden Abend am Strand?
Vorgestern waren wir den ganzen Tag zu Fuss unterwegs - haben uns den Norefjell vorgenommen. Waren in 3 1/2 Stunden oben. Danach keine Kraft mehr für eine Kammwanderung. Der Abstieg war anstrengend, am Schluss hatten wir alle 3 Wanderstöcke. :) Habe mich die ganze Zeit wie die 3 Gefährten gefühlt (also, am meisten wie Sam) - und versucht, die Melodie zu singen. Zeit ist um ;) Gleich geht es weiter. Viele Grüsse von Matt und mir. (_)?

Postkarte 2

Liebe Nachbarin,
Moltebeeren gibt es hier nur in Büchern oder als Matsche zu kaufen. Schade. Mein norsk kommt ganz ganz langsam aus irgendwelchen vergessenen Gehirnwindungen wieder herausgepurzelt. Det er bra. Heute in einem Stoffladen gewesen, der hätte dich wahnsinnig gemacht. Hunderte von kleinen Stoffquadraten - ich habe alles für dich fotografiert. Wir haben das Angelzeug immer im Auto - aber noch nichts gefangen. Dafür alles voller Braunkappen und Steinpilze, sie folgen auf Schritt und Tritt.
Sogar eine Pfifferlingsstelle hat Pa mal entdeckt. Noch sind wir nicht tot, dh. es müssen alles gute Pilze gewesen sein. Drück uns die Daumen. Hjertelig hilsen, ha det hyggelig og bra,
m.

Postkarte 1

Liebe Muckla
Das mit den Postkarten ist nicht so einfach wie ich dachte ... wir haben uns und unsere Hütte in süsser, unschuldiger Abgeschiedenheit wiedergefunden. Kein Laden, keine Strasse mit aneinandergereihten Häusern weit und breit. Unser Hüttchen ist schwarz geölt (die Tastatur hat Z und Y vertauscht, ausserdem kein SZ und keine Umlaute) und auf einem alten Gut. Daneben - auf einem Hügel, vor dem Norefjell das Gutsbesitzerhaus, ein Stall, ein altes Lagerhaus. Idyllisch - aber schwer, dort an Internet ranyukommen ;)
Heute das erste Mal wieder unter (vielen) Menschen, 2 Stunden Richtung Süden, in Tønsberg. (Such es mal bei Google Earth) Ich lauere unentwegt nach Elchen. Noch keinen begegnet. Aber Schafherden, die Glocken am Hals tragen und weggallopieren, wenn wir näher kommen. Du würdest hier alles lieben.
Ich muss mir jedes Haus ansehen und werde nicht satt.
Soviel für heute. Bin froh, hier in Tønsberg ein Internet Café aufgetrieben zu haben. Wir haben in einem Angel- und Bootladen danach gefragt (Matt hat zuvor Plastikköder [Würmer mit Geschmack] gekauft.) :D
Tausend Grüsse, M. (und der M., der ungeduldig neben mir sitzt und Handbewegungen macht ;)

Donnerstag, 17. August 2006

daily hope

Bitte jeden Tag lesen: Titus den nächsten Monat auf einer Südengel-Insel.

Freunde und Kupferstecher,

... es geht los. Seit sieben Jahren reden wir davon, zwei Jahre ging es in die entgegengesetzte Richtung - morgen rollen wir unaufhaltsam auf die Fähre und dann über die Öresundbrücke gen Antwort auf meine Oktobersehnsucht, die jeden Herbst in mir aufbricht und zetert: Norwegen, Norwegen, bring mich nach Norwegen.
Karten schreiben wird teuer sein, deswegen werde ich euch meine Karten auf dieser Plattform schreiben - nehmt es mir nicht übel und schaut in den nächsten 14 Tagen immer mal hier nach, ob jemand Post hat.
Noch ein Lächeln, und dann: Ich ziehe meinen Hut und empfehle mich.

out of office

...

Mittwoch, 9. August 2006

festsitzen

Im Park halten sie den Sonntag fest
Wenn sie sich auf den Rasen setzen und schwermachen
- Wie auf das Ende einer Decke -
Nicht mehr wegziehen
Lässt sich jetzt der Tag.

Donnerstag, 27. Juli 2006

dieb

einer stahl meine tränen/die stahlblauen/und die an der spitze versilberten/sowie/auch ein pfund zucker/und den vorrat an worten für den herbst/die weiße fahne hat er/auf der treppe/wieder verloren.

Mittwoch, 26. Juli 2006

Mal in Mitte

Letzter Leichtwindtag, hundert Gedichte von Eva Strittmatter sind meine Nahrung. Heißer Kaffee kaltes Blut. Auf dem Hackeschen Treffen der Musiken, très drole, die blondierten Jungs in Unterhosen und schwarzen Kittelschürzen, jeder eine Banane in der Bauchtasche. Französisches Funk-Blasorchester aus Lyon. Nehmt mich mit in eurem Gepäck auf eure Reise, next stop: Prag.
Den Rest des Tages nichts für bare Münze, barfuß, die Ballen in den weichen Teer drücken. Endstation: an Bord von Marie, dem Hexenkessel Hoftheater Kahn. Die Sonne im Rücken, sie spielen Der Widerspenstigen Zähmung und die zwei sind doch noch gekommen, müssen am Ufer stehenbleiben. Falls die Sonne vorzeitig unterginge, hielte Mariechen ihre Sonnenblume über uns dass sie den Tag anständig zu Ende brächte.

Donnerstag, 13. Juli 2006

Memo ::: Obst kaufen

Gegen sieben, wenn die Hitze nur noch mit den Fingerspitzen, nicht mehr mit der ganzen Hand, drückt, Obst kaufen gehen. Im Supermarkt hinter der nächsten Straße; es gibt noch halbvolle Stiegen, die knackigsten Kirschen, Trauben, Äpfel sind schon weg, aber die genug gereiften, die gleich gegessen werden müssen, wollte keiner, die sind noch da.
Wenn es doch noch zu warm ist, warten bis nach zehn, dann zu dem kleinen Laden am Ende der Straße laufen, klebrige Melone mitnehmen, Aprikosen, und was sonst noch gut aussieht. Sich die Preise merken, denn der kuriose Händler weiß sie garantiert nicht und braucht sehr lange, bis er sie gefunden hat, was er nicht verwunderlich findet, eher scheint er den ganzen Tag zu grübeln, wie es kommen konnte, dass er in diesem Laden steht, braungebrannt, in kurzer Trainingshose und Unterhemd, hinter der Brille fragende Augen. Mir scheint, und ihm auch, er wurde hier nur mal eben hinein gesteckt, einen alten Freund zu vertreten, eigentlich repariert er die Orgel der Gethsemane. Und irgendwie blieb die Zeit stehen, und er macht hier weiter, Abend für Abend gegen elfe zu, bis dann alles eingeräumt ist und er zuhause, und was gegessen hat, ach du ahnst es nicht...

Montag, 10. Juli 2006

Juli

Alltag gesellt sich zurück zum Sommer, wer jetzt noch in der Stadt ist, wird nicht mehr auf Reisen gehen, wer bis jetzt keine Landerdbeeren gekostet hat, wird bis zum Frühjahr seine Liebe nicht herausposaunen und Rilke lesen.
Café mal eben scheint nicht der einzige Plan sein, der als Schnittmuster auf diesem Jahr liegt, und es ist nicht genug Stoff da. Das Herz blieb halb zurück, halb schlägt es weiter, und mit wieviel Farbe auch versucht, der leere Fleck geht nicht wegzuwischen. Wie ging nochmal vergessen.

Montag, 26. Juni 2006

Calendula

juni-2006-134

juni-2006-135

Freitag, 23. Juni 2006

we shall meet

Die Fliegen treffen sich in Zimmerdeckenlampenmitte, sechs Freunde, verabreden einen neuen Tanzflug, weben nach geheimen Absprachen ein Muster in die Luft. Immer drei gleichzeitig, übereinander, und drei auf dem Lampenbogen. Wie eine kleine Strickmaschine, wie eine Silvesterrakete, die unablässig schwarze Funken sprüht.
Man hätte schönere Flügelviecher nach dem benennen sollen, was sich manche von uns beinigen, erdverhafteten Wesen wünschen. Die Fliegen hätten auch gut Sommerschwärzlinge, Stinkdreher oder ausschließlich Brummer, oder Bratzen gerufen werden können.
Ich werde ein Mädchen kennen lernen, dass in ihrem Lichthaus Kübel aufstellen wird, Frühling um Frühling, und Roggen darin aussäht und Hafer. Wenn sie bei anderen Menschen ist, Besuch nennt man das, wird sie einen Stein mit Loch in der Mitte liegen lassen, Katzengold.
Bald ist der Hollunder in der Reifeprüfung und ich hole mir das versprochene Abendrot. Augustäpfel wachsen noch immer nur jedes zweite Jahr, hat euch das nicht beeindruckt?
release me.

Montag, 19. Juni 2006

die zeit heilt alle wunder!

und heute erst, nach monaten - einmal so lang wie es bei dir war ist es wieder fort - eine einzelträne. und ein paar zerquetschte. wohl weil die hitze dich drückt - sowieso - und deine empfindungen ETWAS überlaufen, überrennen, überspülen, da wo am anfang des jahres ein fass stand - das längst zu klein wurde für das gewicht dieses jahres.
und heute erst scheint wieder ein fass da zu sein, an dem winkel im herzen wo wasser und salz gesammelt werden, nur eine nußschale groß. du kannst nicht weinen seitdem, nicht sprechen. was kannst du. ein wenig weiter segeln, die arme auseinander halten und schweben. solange du an höhe nur langsam verlierst, merkt kein mensch, dass du den nächsten flügelschlag nicht machst. nicht schaffst. die klippen küsst.
geburt verfehlt, weit verfehlt, kleines. hätte man - könnte man schon du sagen. wie lange hast du gelebt. was warst du, engel, monster, sehen wir uns wieder. november, der fünfzehnte, wäre. dein geburtstag. gewesen.
... ich erkenn mich nicht wieder / allein / mein gesicht sei noch gleich und ich weiß nicht ob das reicht nicht alleine zu sein / ich erkenn mich nicht wieder / unerkannt / bin ich die halbe nacht noch um die häuser gerannt / ich erkenn hier nichts wieder / alles müde und alt / ich male uns beide als umriss aus kreide auf den asphalt / ich erkenn mich nicht wieder / unerkannt / hab ich dann drüben im park meine kleider verbrannt / ich erkenn mich nicht wieder nur mein herz das noch schlägt / ich hebe die arme um zu sehn ob die warme nachtluft mich trägt / ich erkenn mich nicht wieder / unerkannt / flieg ich ans ende der stadt / ans ende der welt / und über den rand ... [guitar solo]
frei nach wir sind helden

Donnerstag, 15. Juni 2006

HUSH

Aus meinen Poren
Rinnt
Vorsichtig und
Ganz leis
Das Wort
Das sich ans Nächste grenzt
Einfriedet
Das Etwas
Was in deine Augen
Springen will
Und würde ertrinken
Wer bist Du
Häuptling aus Glas
Stranger und Nacht.

Dienstag, 13. Juni 2006

juno

1) 27°

die mücken dieses jahr sind lang und
dürr wie deine hand
verzehren sich nach etwas blut
am abend liegen
den tag im schatten
auf der seite
wie die katze aus dem ersten stock
die sich unter der treppe
unsichtbar macht mit ihren schwarzen
und weißen flecken


2) 10°

wie oft ich in deiner wohnung war
könnte ich leicht zählen
eins zwei drei
kaffee und grün gab es
dir war stets nach dekadent
blumen in allen zimmern
immer ein anderer mann
ich kam nur bis zur küche
nie bis in den salon
wo wir billigen wein getrunken hätten


3) 22,5°

dann am himmel
des himmels werdet ihr
eure zwei buchstaben wiederfinden; einen
herum gedreht auf azurblau gewölkt
zusammengesetzt wie -
ein lager! eine leiter!
dann werdet ihr sein, nicht streiten,
nur sein. werdet lieben, nicht einer des anderen leben
an den marterpfahl stellen
hinter dem hof

Donnerstag, 8. Juni 2006

Fünfzwölftelbilanz

Donnerstage, die mit Migräne und Kältewellen beginnen, bekommen die Ode an die Freude ins Gesicht geklatscht, zweifach, und Tee mit Limette und Akazienhonig. Und Lichtschauer. Fortwährend. Das Haus hat Hummeln im Hintern und kreischt, verliert Holz im Treppenhaus, lässt Wasser durch den Stuck, rieselt Zeug durch die hohlen Wände. Wirft Möbel und Bewohner durcheinander. Der, der da fragt, wie wir auf Tucholsky kommen, hat nicht gemerkt, dass das Zitat an der Tür keine Nachricht von Nachbarn ist. Hummel hat mich mein Vater genannt, da war ich fünf oder jünger. Morgens, mittags, abends, die Leute haben alle ihre Fenster zu, noch nie was von frischer Luft gehört, und ihre Goldwage an den Straßenrand gestellt. Wenn Filou Geburtstag hat gab es sonst immer schon Kirschen, falls die Stare gütig waren und etwas für uns gelassen hatten. Dieses Jahr sind noch nicht einmal die Erdbeeren groß und rot gewachsen. Jemand muss es festhalten, sonst haben wir alle im August vergessen, dass der Mai verregnet war, jeder Tag. Kein gewöhnlicher Regen, sorgfältig mit Pausen versehen. Mit dem Fahrrad konnte man schnell von a) nach b) und in der nächsten Pause wieder zurück. Meine Mutter liebt Kirschen, von der Plantage pflückt sie, eimerweise, schlägt sich den Bauch damit voll. Kirschen gegessen, Wasser getrunken, Bauchschmerzen bekommen, zum Doktor, tot. Ich bin zu faul dafür, soviel Kern im Vergleich zur Frucht. Das dauert wirklich zu lange.
Beim ersten Kaffee Hufenklapp auf den Kopfsteinen in unserer Straße. Ein Brautpaar in offener Kutsche, morgens um zehn. Die Rappen mit weißen Bommeln geschmückt, dass wir sie von oben betrachten würden, die fünf, damit hatten sie nicht gerechnet. Geschäftig wirken sie, das auch noch abhaken, die Frisur sitzt nicht ganz so wie sie soll, nach wievielen Monaten ist der erste Seitensprung drin, die Pferde rucken mit dem Kopf, da war doch eine Wiese, gab es da etwa Löwenzahn. Der Kutscher ärgert sich über den lächerlichen Zylinder, musste das sein, und ist mit den Gedanken bei seiner Tochter, die hat Kinderlähmung und wollte doch Radrennfahrerin werden.

Monday's Child is fair of face.
Tuesday's child is full of grace.
Wednesday's child is full of woe.
Thursday's child has far to go.
Friday's child is loving and giving.
Saturday's child works hard for a living,
But the child who is born on the Sabbath Day
Is bonny and blithe and good and gay. Stattkatze hat es gut. Hat eine Kleinstadt.

Dienstag, 6. Juni 2006

...

Taschen nähen ist kind of Geschichten schreiben. Ein Muster erfinden und aufmalen, Stoffe aussuchen, zusammenstellen, ausmessen und zuschneiden. Dann die Stücke bügeln, Boden und Seiten mit Vliesofix verstärken. Maschine aufstellen, Garne einfädeln, Stichform und -länge austesten. Die einzelnen Teile des Innenfutters miteinander vernähen; das Innenleben ist fertig. Nochmal das gleiche Spiel: die äußeren Stücke miteinander vernähen. Innenleben einpassen, Kanten beider Wände umschlagen, Henkel einlegen, feststecken. Prüfen. Innen mit Außen zusammennähen. Alle überflüssigen Fäden abschneiden. Probetragen. Und jemanden haben, der zeigt, wie es geht. Dank ihr kommt dann das heraus:
Mai-2006-082

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FantaMensch - 15. Feb, 00:30

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